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Als erstes sein angemerkt, dass zu einer wirklichen guten Abstimmung ein
Motorenprüfstand, Abgasmessgeräte uvm. gehören. Das Ganze ist ein sehr aufwendiger und
teurer Prozess.
Ferner sei angemerkt, dass Manipulationen am Vergaser die ABE erlöschen lassen, für den
öffentlichen Straßenverkehr somit illegal sind.
Man sollte daher nie grundlos "mal ein bisschen rumprobieren". Man kann bei den
modernen Motorrädern sehr, sehr viel verlieren, aber praktisch nichts gewinnen.
Was aber nun, wenn der Motor durch z.B. eine neue 4in1-Anlage nicht mehr ordentlich läuft? Für
solche Fälle kann man die Vergaseranlage auch grob "per Hand" abstimmen.
Ich persönlich würde nach dem Anbau einer anderen Auspuffanlage zumindest die Hauptdüse
überprüfen. Der Grund: Läuft der Motor durch die neue Anlage zu mager, so kann das
durch Hochgeschwindigkeitsklingelnden Motor kosten.
Die Vorgehensweise zur Abstimmung sei im folgenden Beschrieben. Dabei sei betont, dass es
sich nur um eine relativ grobe Abstimmung handeln kann. Abgesehen von den fehlenden
Geräten bekommt man außer Hauptdüsen nämlich oft auch schlecht Ersatzteile für
Vergaser.
Für die Abstimmung lassen sich unter normalen Umständen daher drei Komponenten
nutzen:
1. Hauptdüsen
2. Stellung der Düsennadel
3. Einstellung der Leerlaufgemischschrauben
Alle drei Komponenten beeinflussen sich gegenseitig. Jedoch hat jede Komponente einen
bestimmten Drehzahlbereich, in dem sich Änderungen besonders stark auswirken.
Die Hauptdüse wirkt sich besonders deutlich im oberen Drehzahlbereich aus. Die Stellung
der Düssennadel im unteren bis mittleren Drehzahlbereich und die Leerlaufdüse (wer
hät's gedacht) wirkt sich besonders stark auf den untersten Drehzahlbereich aus.
Bevor es losgeht sollte man die richtige Einstellung des Schwimmerstandes überprüfen.
Allerdings verstellt sich dieser normalerweise nicht von selbst.
Anfangen sollte man dann mit der Hauptdüse. Dazu fährt man bei warmen(!!) Motor ein kurzen
Stück (ca.1000m) auf der Autobahn mit Vollgas, kuppelt dann aus, schaltet den Motor ab
und lässt sich auf den nächsten Parkplatz rollen. Nun wird eine Zündkerze
rausgeschraubt um das "Kerzengesicht" beurteilen zu können. Früher sagte man,
dass die ideale Kerze "rehbraun" sein sollte. Das gilt in Zeiten bleifreien
Benzins jedoch nicht mehr! Heute sollte eine Kerze ein gräulichen Ton haben. Maßgebend
ist dabei der Bereich um die Elektroden, also nicht so sehr der Kerzenaußenrand (dieser
ist meist dunkler). Hat die Kerze eine gräulichen Ton hat man Glück gehabt: das war's.
:-)
Ist die Kerze eher weißlich, so läuft der Motor zu mager. Achtung! Kein Vollgas mehr
fahren, dass kann durch Hochgeschwindigkeitsklingeln den Motor
killen! Also ab in die Garage, größere Hauptdüsen einbauen.
Ist die Kerze sehr dunkel, so muss eine kleinere Hauptdüse rein. Eine zu große
Hauptdüse kostet Leistung und erhöht den Verbrauch.
Das Spielchen wird so lange wiederholt, bis das Kerzengesicht ok ist.
Als nächsten werden Leerlauf und Düsennadel eingestellt. Das wird mehr oder weniger
gleichzeitig gemacht. Zuerst mal wird die Leerlaufsgemischzusammensetzung optimiert. Dazu
wird die Leerlaufsgemischeinstellschraube (sind das lange Wörter ;-)) solange gedreht,
bis der Leerlauf am höchsten ist. Achtung! Gemeint ist nicht die allgemeine
Leerlaufschraube! Bei einem Mehrvergasersystem ist die Leerlaufgemischschraube einfach zu
finden. An jedem Vergaser ist genau eine. Jede Vergaseranlage hat aber insgesamt nur eine
Leerlaufschraube. Ferner ist die Leerlaufschraube meist groß (damit man sie mit den
Fingern bedienen kann). Von der Leerlaufgemischschraube ist meist nur die Oberseite des
Kopfes zu sehen. Sitzt die Leerlaufgemischschraube mehr zum Luftfilter hin, so regelt sie
die Luftzufuhr -> rausdrehen magert ab, reindrehen reichert an. Sitzt sie hingegen mehr
zum Motor hin, so regelt sie die Spritzufuhr -> rausdrehen reichert an, reindrehen
magert ab. Leider gibt es sehr vereinzelt Ausnahmen bei denen diese Regel nicht stimmt
:-(.
Die Düsennadel wird erstmal belassen. Nimmt der Motor sauber Gas an, so ist das schonmal
ein gutes Zeichen. Falls nicht, so fährt man mal ein längers Stück mit konstanter
Drehzahl und überprüft das Kerzengesicht. Es sollte auch im Teillastbereich ein
gräuliche Färbung aufweisen. Um das Gemisch abzumagern, muss die Düsennadel tiefer
gehängt werden, folglich muss sie höher gehängt werden um das Gemisch anzufetten.
Auch den Choke kann man als Hilfe verwenden. Nimmt der warme(!) Motor mit leicht gezogenem
Choke besser Gas an als ohne, so läuft er offensichlich zu mager -> Düsennadel höher
hängen.
Ganz zum Schluss sollte man nochmal auf der Autobahn das Kerzengesicht prüfen. Wie
gesagt, alle Änderungen beeinflussen sich gegenseitig.
Noch eine Anmerkung zum Verbrauch. Die Hauptdüse hebt und senkt den Verbrauch primär
im obersten Drehzahlbereich. Wer also nicht permanent mit Vollgas über die Autobahn
brettert, wird hier kaum Verbrauchunterschiede feststellen. Daher lieber ein bisschen zu
fett, als zu mager. Wie gesagt, mit einer zu mageren Abstimmung kann man den Motor
zerlegen.
Der Verbrauch wird primär durch die Leerlaufgemischschraube und die Stellung der
Düsennadel beeinflusst, dort aber drastisch. Es ist kein Problem, nur durch eine falsch
hängende Düsennadel den Verbrauch um 1-2 Liter/100km zu erhöhen. Gleiches gilt für die
Leerlaufgemischschraube.
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